Angeln in Schutzgebieten

Das sollten Sie wissen.

(aktualisiert: Januar 2018)

Liebe Anglerinnen und Angler, liebe Freunde des Angelns, liebe Kollegen!

Hier einige Hintergrundinformationen zum Thema "Angeln und Natura2000", inklusive links zu den aktuellen Empfehlungen des NLWKN (Oberste Naturschutzbehörde) und Arbeitshilfe des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) zur Ausweisung von FFH-/Natura2000 Gebieten in Niedersachsen.

Hintergrund:
Aufgrund eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland sind die Länder nunmehr verpflichtet, bereits bei der EU gemeldete FFH/Natura2000 Schutzgebiete bis Ende diesen Jahres (2018) abschließend auszuweisen.
Teil dieses Vorganges ist das Verfassen einer Schutzgebietsverordnung. Sie regelt z. B. den oder die Schutzzwecke, Lage und Größe des Areals und benennt die wertgebenden Arten. In der Verordnung werden auch Nutzungsbeschränkungen festgelegt.
Die Schutzgebietsverordnungen werden von den Unteren Naturschutzbehörden (UNB) verfasst und umgesetzt. Im Rahmen der Verbändebeteiligung wird der AVN über die Entwürfe der Verordnungstexte informiert und darf dazu Stellung beziehen. Das tun wir in ALLEN Fällen, in denen die Angelfischerei in irgendeiner Weise unrechtmäßig oder in einem nicht zumutbaren Maß beschränkt oder gar verboten werden soll oder fachliche Begründungen für diese Beschränkungen fehlen.

Die Untere Naturschutzbehörde muss unserer Kritik allerdings nicht entsprechen und Anpassungen ihrer Verordnungstexte vornehmen.
Am Ende beschließt der zuständige Kreistag auf politischer Ebene über die Schutzgebietsverordnung.

Im Sommer 2016 mussten in Niedersachsen noch ca. 280 Schutzgebiete ausgewiesen werden. Eine Mammutaufgabe für die Unteren Naturschutzbehörden.

Um die UNB zu unterstützen, veröffentlichte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die oberste Naturschutzbehörde, im Dezember 2015 eine Vorlage einer Schutzgebietsverordnung - die "Musterverordnung".
Diese Musterverordnung enthielt zahlreiche Empfehlungen für die Ausweisung der Gebiete. Darunter auch etliche Empfehlungen zur Beschränkung des Angelns. Von Nachtangel-, Betretungs- und Anfütterverboten bis hin zu Komplettverboten.

Um die Unteren Naturschutzbehörden auf Kreisebene weiter zu unterstützen, veröffentlichte außerdem der Niedersächsische Landkreistag (NLT) im Frühjahr 2016 eine "Arbeitshilfe" für die Anwendung der Musterverordnung. Darin wurde z. B. für den zu schützenden Lebensraumtyp 3260 (Gewässer mit flutender Wasservegetation) empfohlen, das Angeln komplett zu verbieten. Diese erste Fassung der Arbeitshilfe enthielt zahlreiche weitere Verbotsempfehlungen - alle ebenfalls ohne fachliche Begründung.

Der AVN kritisierte die Musterverordnung und die Arbeitshilfe im Rahmen einer Medienkampagne scharf.

Mit Erfolg! Aufgrund der Kritik des AVN veröffentlichte der NLWKN eine Neufassung der Musterverordnung am 27.09.2016.
In diese überarbeitete Version sind wesentliche Kritikpunkte des AVN eingeflossen.
Der AVN begrüßt diese Änderungen ausdrücklich!

Auch die Arbeitshilfe des Niedersächsischen Landkreistages wurde im Sommer 2017 in neuer, entschärfter Fassung vorgelegt.

Der AVN kritisiert nach wie vor, dass die Empfehlungen für Beschränkungen des Angelns auch in der Neufassung der Musterverordnung nach wie vor nicht fachlich begründet werden.

Laut Information des Ministeriums für Umwelt und der damaligen Regierungsparteien (2016 und 2017, SPD Und Grüne) wurden alle Unteren Naturschutzbehörden umfänglich über die Neuerungen informiert und noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass jedwede Form der Beschränkung im Einzelfall zu prüfen sei.

Trotzdem fordern einige Untere Naturschutzbehörden in ihren Entwürfen für die Schutzgebietsverordnung nach wie vor mitunter flächendeckende Angelverbote. Derzeit (Stand Januar 2018) in etwa einem Drittel der Verordnungstexte, die uns zur Stellungnahme vorgelegt werden.
Als Folge muss der AVN nach wie vor in zeitraubenden und teilweise seitens der UNBen sehr aggressiv geführten Debatten und Vor-Ort.Terminen versuchen, ganze Kataloge von Verbotsszenarien aus den Entwürfen der betreffenden Schutzgebietsverordnungen herauszudiskutieren.

Hier die Neufassung der Musterverordnung vom 27.09.2016
sowie die zugehörige Handreichung/Arbeitshilfe.