12.11.2019

Kormoranverordnung - Keine Gnade für die Äsche

Vogelschutz geht wieder einmal vor Fischschutz!
Mit der geplanten Neufassung der Kormoranverordnung liefert das Umweltministerium um Minister Olaf Lies ein Armutszeugnis in Sachen Artenschutzpolitik ab: Der längst nicht mehr bedrohte Kormoran wird hofiert, die hoch bedrohte Äsche im gleichen Atemzug ans Messer geliefert.
Ganzheitlichkeit, Ausgewogenheit, Engagement für Fische sieht anders aus, Herr Minister!

Mit der geplanten Verkürzung der Jagdzeit um einen Monat (Ende jetzt 28.02.) serviert die Landesregierung dem Fischjäger die Äsche (Rote Liste 2) auf dem Silbertablett.
Denn just zu dieser Zeit, im Spätwinter / Beginn des Frühjahrs, sammeln sich laichbereite Äsche in Schwärmen in der Nähe ihrer Laichgründe und sind eine leichte Beute für Kormorane. Anders als etwa Bachforellen weichen sie fast nie in Verstecke in strukturierten Gewässern aus, sondern vertrauen auf den Schwarm. Bezogen auf den Kormoran ein verhängnisvolles natürliches Verhalten.

Der NLWKN/Staatliche Vogelschutzwarte begründet die geplante Verkürzung der Jagdzeit mit einem "früheren Brutbeginn" (aufgrund klimatischer Veränderungen), bzw. später Jungenaufzucht - denn auch im August wurde eine Verkürzung der Jagdzeit um 3 Wochen empfohlen.
Dabei trägt das Land Niedersachsen eine nationale! Verantwortung für den Schutz der atlantischen Form der Äsche.
So sieht sie aus, die Naturschutzpolitik in Niedersachsen - unter einer rot-schwarzen Regierung.

Der AVN fordert jetzt von Umweltminister Olaf Lies ein klares Bekenntnis zum Fischartenschutz in Form eines Ministerialerlasses.
Der soll Ausnahmegenehmigungen für die Bejagung an prioritären Äschengewässer in Niedersachsen ermöglichen. Diese Gewässer liegen nämlich allesamt in FFH-Gebieten, und da dürfte der Kormoran natürlich ohnehin nicht bejagt werden.

Bislang hatten die zuständigen Unteren Naturschutzbehörden Anfragen von Angelvereinen nach Ausnahmegenehmigungen meist abschlägig bewertet oder lange Bearbeitungszeiten oder gar hohe Verwaltungsgebühren angeführt, um die Antragsteller abzuwimmeln. Den Seevefreunde-Nordheide war es 2018 an der Seeve gelungen, die Behörden mit fachlichen Argumenten von der Sinnhaftigkeit einer Bejagung zu überzeugen.

Denn wird die unmöglich gemacht, so wie in der geplanten Neufassung der Kormoranverordnung, dann wird die Äsche aus noch mehr ihrer ehemaligen Lebensräume weggefressen.

Den Bericht zum Fischartenschutz (Kapitel im Endbericht der Evaluierung der Kormoranverordnung) können Sie hier auf der website des LAVES Dezernat Binnenfischerei herunterladen.

Die Pressemittelung des AVN finden Sie hier..
Und hier die Stellungnahme des AVN im Rahmen der Verbändeanhörung zur Kormoranverordnung.


Fotos: Florian Möllers

2019 11 13 KormoranÄsche

 

19.10.2019

Fortbildung in Hodenhagen

Bachneunauge, Bitterling und Bachforelle - drei von 12 Arten, die bei einem Elektrofischen in Hodenhagen am Samstag nachgewiesen werden konnten.
Barben und Quappen, die 2018 nachgewiesen werden konnten, blieben aus - dafür gingen 53 Hasel in den Kescher.

Die Befischung fand im Rahmen einer Fortbildung für Gewässerwarte des Bezirk 1 im Anglerverband Niedersachsen statt.
Rainer Rokitta, Bezirksleiter Jens-Uwe Schiemann und der Sportanglerverein Hodenhagen hatten eingeladen und organisiert - 24 Teilnehmer kamen.

Nach einem Vortrag von AVN-Pressereferent Florian Möllers zur aktuellen Situation des Angelns in Niedersachsen wurde ausgiebig über die gesellschaftliche Verantwortung der Angler und Wege aus der Misere diskutiert.
Abschließend ging es um Fördermöglichkeiten für Gewässerschutzprojekte der Vereine.

Danke an die Organisatoren und alle Teilnehmer!

Fotos: F. Möllers / AVN

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09.10.2019

Scharfe Kritik des AVN

Seit 2016 hat der AVN die Evaluierung der Maßnahmen der Nds. Kormoranverordnung begleitet, an sämtlichen Sitzungen teilgenommen, Vorträge gehalten und für einen besseren Fischartenschutz geworben.
Zahlreiche Angler haben die Erfassung von Daten zu Überwinterungsplätzen 2018/2019 unterstützt.

Heute endete die Frist der Verbandsanhörung zur Neuauflage der Kormoranverordnung.

Ja, die Teilnehmer des Ausschusses mussten anerkennen, dass Kormorane wildlebende Fischpopulationen schädigen und bedrohte Arten wie die Äsche extrem gefährden können. Endlich, nach Jahren der fachlichen Argumentation und der Vorlage zahlreicher Studien, endlich wird diese Tatsache auch in der Neufassung des Textes der Nds. Kormoranverordnung schriftlich festgehalten!
Aber: Als wäre die Tinte auf dem Papier nichts wert, verkürzt der Vorschlag für den neuen Verordnungstext die Zeit, in der erwachsene Kormorane vergrämt und geschossen werden dürfen, um 7! (sieben) Wochen. Noch dazu in der extrem kritischen Phase der Äschenlaichzeit, im gesamten März! In der Phase also, wo Kormorane der Art den größten Schaden zufügen können.
Eine weitere Kürzung betrifft den August - die Zeit also, wenn Nichtbrüter, Jung- und Altvögel aus Dänemark, Polen und NL zu Hunderten in Niedersachsen eintreffen, rasten, fressen.

Begründung des NLWKN / der Staatlichen Vogelschutzwarte:
Aufgrund klimatischer Veränderungen habe sich die Brutzeit der Kormorane verlängert: Die Vögel würden früher mit der Brut beginnen (im März) und Vögel, die ihr Gelege verloren hätten, würden noch im August ihre Jugen aufziehen.

Und als wäre das nicht genug, macht die Neufassung die Vergrämung in Schutzgebieten nahezu unmöglich, sie verbietet sie sogar! Weist aber darauf hin, dass die zuständigen Unteren Naturschutzbehörden (UNB) Ausnahmegenehmigungen erteilen können. Na, vielen Dank! Wir hatten mit allem Nachrdruck darum geworben, eine Verfügung des Ministeriums zu bekommen, in der die UNB angewiesen werden, Ausnahmegenehmigungen an prioritären Äschengewässern in Niedersachsen (14 Stück) auf jeden Fall zu erteilen.

Statt dessen stehen wir schlechter da, als vorher!
Um die letzte Ausnahmegenehemigung (für die Seeve) haben wir zwei Jahre gekämpft. Anderen Vereinen wurde bei Anfrage nach einer Genehmigung bereits am Telefon von Mitarbeitern der UNB nahegelegt, einen solchen Antrag erst gar nicht zu stellen: Er würde per se verweigert, der Prozess könne endlos in die Länge gezogen und eine Bearbeitungsgebühr so hoch angesetzt werden, dass den Vereinen die Lust am Antragstellen sicher schnell vergehe (O-Ton UNB-Mitarbeiter!).

Sieht sie so aus, die Naturschutzpolitik der Landesregierung, von SPD und CDU?
Wir sind schwer enttäuscht und sauer, dass wider besseren Wissens! wieder einmal Fische als Lebewesen zweiter Klasse eingestuft wurden.

Ein Brief an das Umweltministerium mit der Bitte um ein dringendes Gespräch geht noch diese Woche raus. Aber was wird das schon bringen?
Es wird Wochen dauern, vielleicht sogar bis 2021, bis wir überhaupt einen Termin im Ministerium bekommen, und egal, welche Fakten wir vorlegen, die Deutungshoheit im Naturschutz in Niedersachsen und sogar im Fischarten- und Gewässerschutz, liegt offensichtlich nicht bei den Fischereibiologen des AVN, sondern - wie eh und je - beim Vogelschutz.

Hier unsere Stellungnahme zum download.


Foto: Florian Möllers

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04.10.2019

Mehr Struktur, mehr Hege = mehr Artenvielfalt

Viele kennen sie nur als Badesee, vom Hundespaziergang, Ausreiten oder Joggen - unsere Baggerseen.
Vom 12. Oktober bis 13. November zeigt das Otterzentrum in Hankensbüttel eine ganz andere Seite von einigen der über 30.000 Bodenabbaugewässer in Niedersachsen.

Wie Wissenschaftler und Ehrenamtliche aus den Vereinen des AVN daran arbeiten, solche Gewässer zu erforschen und mit wenigen Mitteln so aufzuwerten, dass ihre Biodiversität gesteigert wird, zeigt die Ausstellung: "Baggersee".
Das Großprojekt von AVN, IGB und TU Berlin läuft über sechs Jahre, wird aus Bundesmitteln gefördert und ist schon jetzt ein Erfolg - für die Artenvielfalt! Lassen Sie sich überraschen!

Die RollUps, Videos und Schaukästen können täglich zu den Besuchszeiten des Otterzentrums angeschaut werden (bitte Winter-Öffnungszeiten beachten!).

Wir wünschen allen Besuchern spannende und informative Einblicke in die faszinierende Welt unserer Bodenabbaugewässer.

Grafik: AVN/AktionFischotterschutz

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27.09.2019

Schadstoffbelastung von Flussfischen

Das Ministerium für Landwirtschaft (ML) bittet alle AnglerInnen in Niedersachsen um Unterstützung bei einer Neuauflage des Flussfischmonitorings.

Gesucht werden insgesamt je 15 Zander (ca. 50cm oder größer!) aus folgenden Flüssen: Elbe, Ems, Oste, Weser.
Außerdem Brassen aus einem Flussabschnitt der Aller (Einmündung Leine bis Mündung in die Weser) von mindestens 40cm Länge.

Der Ablauf ist einfach: Gefangene Fische fachgerecht betäuben, töten mit Herzstich (! um größere Blutungen zu vermeiden), nicht ausnehmen, am Stück in einem separaten Gefrierbeutel einfrieren, Datenbogen ausfüllen und beides beim nächsten Veterinäramt abliefern (Zander). Für die Brassen ist das VA in Verden Anlieferpunkt.

Die Fische werden auf diverse Schadstoffe untersucht: z. B. Dioxine (Chlorpestizide, Perfluorierte Tenside (PFAS), PCB) und Schwermetalle.
Die Ergebnisse und entsprechende Verzehrempfehlungen dazu werden über das Ministerium für Landwirtschaft veröffentlicht.

2014 konnte das Monitoring aufgrund zu geringer Fischmengen nicht durchgeführt werden.
Wir hoffen daher auf großzügige Unterstützung seitens unserer Angler in diesem Jahr!

Hier geht's zum download der benötigten Unterlagen.
Datenbogen
Anschreiben
Adresse Veterinärämter

Viel Spaß am Wasser und danke für die Mithilfe!

Foto: M. Emmrich

2019 07 ME ZanderElbe