06.07.2020

Neue Aalstudie aus Schleswig-Holstein

Für viele Angelvereine stellt sich jedes Jahr aufs neue die Frage: Sollen wir Glas- oder Farmaale besetzen?
Menge und Preis sprechen eindeutig für Glasaale. Aber haben sie die gleiche Überlebenswahrscheinlichkeit und wachsen sie ähnlich gut ab? Verschiedene Studien hatten das bereits nahegelegt.
Die Universität Hamburg hat in den vergangenen Jahren an der Schlei und der Ostseeküste Schleswig-Holsteins genau diese Fragen untersucht.
Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Sie bestätigen und erweitern unsere Erkenntnisse zum Aalbesatz:
  • Alle im Rahmen der Studie besetzten Farmaale waren mit dem Aal-Herpesvirus infiziert.
  • Glasaale und Farmaale wachsen nahezu gleich schnell. Sie sind bereits nach drei Jahren bis zu 40cm groß.
  • Die Sterblichkeit ist bei beiden Besatzgrößen nahezu identisch.
  • Aus den meisten bestzten Aalen wurden Weibchen.
Wenn Sie Fragen haben zum Aalbesatz 2021 und den Fördermöglichkeiten für Angelvereine, melden Sie sich gerne bei uns!
 
Foto: © Florian Möllers

FMO 190321 123208 2

03.07.2020

Neue Schutzgebietsverordnung fordert massive Beschränkungen

Eine Neuauflage der Schutzgebietsverordnung von 2019 (1. Fassung) für das "NSG Leineaue zwischen Hannover und Ruthe" liegt jetzt vor. Der AVN hatte den damaligen Verordnungsentwurf fachlich an zahlreichen Stellen kritisiert.
Man stelle nur mal vor: In einer Verordnung für ein Schutzgebiet mit mehr als 300ha Wasserfläche, einem "prioritären Fließgewässer" und dem Vorkommen zahlreicher bedrohter gewässerlebender Arten wurden Fische und Neunaugen noch nicht einmal erwähnt!

Dank der fachlichen Kritik konnte der AVN einige Verbote und Beschränkungen verhindern:

  • Das temporäre Angelverbot an Leine und Innerste zwischen Koldingen und Wülfel und
  • das komplette! geplante Fischereiverbot am Wülfeler und Koldinger Teich.


ABER:
* Im gesamten NSG soll ein Nachtangelverbot gelten! Begründung: extrem dünn bis nahezu absurd.
* An der Leine zwischen Ruthe und Koldingen soll das Angeln für 10 MONATE!!! verboten werden (1.10. bis 31.07.).
* Angelverbot an der Alten Leine für 5 MONATE!!! (01.03. bis 31.07.)
* Angelverbot an 200ha Stillgewässern!!!
* Verbot des Anlegens von neuen Angelplätzen und Pfaden!!! und
* Komplettes Befahrungsverbot des Gebietes zu fischereilichen Zwecken (Hege, Monitoring, Fischbesatz)!!!

Hochinteressant:
Für die gleichen Beschränkungen wie im ersten Entwurf werden in der überarbeiteten Fassung plötzlich mitunter ganz andere Begründungen angeführt...

So "schützen" und "fördern" einige Naturschutzbehörden 2020 unsere (Vogel- und Amphibien)Artenvielfalt in Deutschland.

Wir werden eine weitere Stellungnahme verfassen, politisch aktiv werden und abhängig von den Reaktionen auf unsere Stellungnahme ggf. auch rechtliche Schritte einleiten.

Foto: © Matthias Emmrich

AVN ME 2020 05 07 20 36 09

29.06.2020

Höhere Fördersumme, bessere Kostenabdeckung

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die Richtlinien für seine Förderung von Kleinmaßnahmen geändert.
Ab sofort und in diesem Jahr noch bis zum 17. Juli!!! können Anträge auf Förderung von "Kleinen Vorhaben" (vorher: "Kleinmaßnahmen") im Gewässerschutz eingereicht werden.

Neu:
Die Höchstgrenze der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben wurde von bisher 15.000 EURO auf jetzt 100.000 EURO / Projekt angehoben.
Für den Antragszeitraum bis 17.07. stehen insgesamt 750.000 EURO zur Verfügung.

Ausgaben für Material sind bis zu 100% zuschusssfähig, sonstige bis 90% (Eigenanteil - nicht zuwendungsfähig! - mind. 10%).

Förderfähig "sind "kleine Vorhaben", die eigenständig und in sich abgeschlossen sind, sowie die Zielerreichung der EG-WRRL unter lokalen bzw. regionalen Gesichtspunkten unterstützen.

Weitere Infos finden Sie auf der website des NLWKN.

Im September soll es laut Pressemitteilung einen weiteren Aufruf zu Förderungen geben, dann aus dem ELER-Programm des Landes.
Wir werden dann darüber berichten.

Falls Sie nicht sicher sind, ob Ihre Projekte förderfähig sind oder Hilfestellung brauchen beim Ausfüllen des Förderantrages oder der späteren Abwicklung, zögern Sie bitte nicht, uns anzurufen - wir unterstützen gerne!

Foto: © Florian Möllers (NLWKN-Kleinmaßnahme am Leckermühlbach im Landkreis Osnabrück)

FMO 180414 180644



24.06.2020

Studie liefert Meilenstein zur Fischverbreitung

Lange Zeit wurde vermutet - und eifrig weitererzählt - dass Fische wohl mit Hilfe von Wasservögeln neue Gewässer besiedeln.
Das Gerücht: Laich von Fischen oder gar Fischlarven würden im Gefieder und an den Beinen oder Schnäbeln von Wasservögeln haften und so über weite Strecken transportiert werden können - auch an neue Gewässer. Denn wie sollte es sonst möglich sein, dass Fische ohne jede Besatzaktivität selbst isolierte Wasserkörper erreichen und dort Populationen ausbilden können?
Beweise für diese These: nicht vorhanden.

In der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences, kurz: PNAS, einem der renommiertesten Fachjournale weltweit, legen ungarische Wissenschaftler Ergebnisse vor, nach denen Fischeier den Verdauungstrakt von Enten lebend passieren können.

Die Experimente wurden mit Stockenten als "Transportern" und Eiern von Karpfen und Giebeln durchgeführt.
Tatsächlich überlebten 0,2% der Eier den Verdauungsvorgang, so dass Jungfische aus ihnen schlüpfen konnten.
Klingt nach wenig? Angesichts der schieren Menge von Eiern vieler Fischarten und der großen Menge an Wasservögeln und ihren Bewegungen zwischen Gewässern aber ein nicht zu unterschätzender Anteil.

Die Studie liefert den ersten uns bekannten Beweis für die Neubesiedlung von Gewässern durch Fische mit Hilfe von Wasservögeln als Vektoren.

Hier geht's zur Veröffentlichung in den PNAS (auf englisch).

Foto: © Florian Möllers

FMO VÖG 01200


22.06.2020

EU-Kommissar fordert konsequente Umsetzung

Seit heute Abend ist es offiziell:
EU-Umwelt-Kommissar Sinkevičius bestätigte, dass er an Europas wichtigster Strategie zur Wiederherstelleung eines guten ökologischen Zustands in unseren Gewässern unbedingt festhalten will.
Jetzt müssten die erforderlichen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele mit aller Macht umgesetzt werden.

Davon sind wir in Niedersachsen Lichtjahre entfernt: Nur 2% !!! unserer Fließgewässer sind in einem guten ökologischen Zustand.
Bis 2027 hat die Landesregierung Zeit, entsprechende Mittel bereitzustellen, um unsere Gewässer ökologisch aufzuwerten. Das würde auch bedeuten, dass den mehr als 7.000 verbliebenen Querverbauungen im Land endlich der Kampf angesagt und die Durchgängigkeit wieder hergestellt wird. Sonst droht nicht zuletzt ein kostspieliges Vertragsverletzungsverfahren seitens der EU.

Ein Bündnis aus zahlreichen Naturschutzverbänden in Europa, angeführt vom WWF, von mehreren Tausend Wissenschaftler*Innen und die Stimmen von mehr als 375.000 Bürgerinnen und Bürgern, hatten sich vehement für den Erhalt der Wasserrahmenrichtlinie eingesetzt. Vielen Dank an alle Beteiligten und Unterstützer!

Mehr Infos auf der Seite des WWF (auf englisch).

Foto: © Florian Möllers

FMO BE 20070521 11 50 25 3046