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13.02.2014

Wissenschaftliche Studie über niedersächsische Baggerseen veröffentlicht

Kürzlich ist eine wissenschaftliche Studie in der internationalen Fachzeitschrift "Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters" erschienen, in der erörtert wird, ob und inwieweit sich in Baggerseen, die von Angelvereinen betreut werden, Fischartengemeinschaften ausbilden, die vergleichbar mit denen in eiszeitlich entstandenen kleinen Naturseen sind. Die untersuchten Baggerseen sind Vereinsgewässer der niedersächsischen Angelvereine SFV Helmstedt und Umgebung e.V., SFV Früh Auf Bramsche e.V., ASV Gut Fang Stapel e.V., VFG Schönewörde und Umgebung e.V. und FV PeineIlsede und Umgebung e.V..

Ufernahe Fischartengemeinschaften wurden in 37 Seen (19 Baggerseen, 18 Naturseen) mittels Elektrofischerei beprobt und hinsichtlich Fischbestandsstruktur, Artenvielfalt und dem Vorkommen gefährdeter Kleinfischarten und fremder Fischarten verglichen. Zusätzlich wurden Kenngrößen zur Nährstoffsituation, Gewässermorphologie und der ufernahen Lebensraumkomplexität (Vorkommen von Wasserpflanzen, Totholz) verglichen.

Obwohl die Baggerseen im Vergleich zu den natürlichen Gewässern strukturärmer waren und steiler abfallende Uferkanten aufweisen, was aufgrund ihrer jüngeren Entstehungsgeschichte sowie der vorausgegangenen Abbautätigkeit von Bodensubstrat auch zu erwarten ist, unterschieden sich die Fischartengemeinschaften nicht wesentlich von denen in den Naturseen. Es konnte eine vergleichbare Artenvielfalt mit zahlreichen Kleinfischen, darunter auch gefährdete Arten wie Bitterling, Schlammpeitzger und Karausche in den niedersächsischen Baggerseen nachgewiesen werden. Nicht heimische Fischarten wurden lediglich im Uferbereich eines Baggersees nachgewiesen. Die geringen Unterschiede in der Fischartengemeinschaft zwischen den Baggerseen und Naturseen wurden primär durch ein unterschiedlich starkes Vorkommen der nachgewiesenen Hauptfischarten Barsch, Rotauge und Rotfeder hervorgerufen.

Diese Studie zeigt, dass eine nachhaltige fischereiliche Hege von kleinen Stillgewässern keinesfalls im Wiederspruch mit Natur- und Artenschutz steht. Im Gegenteil, kleine Baggerseen, die angelfischereilich genutzt werden, bieten Lebensraum für artenreiche Fischartengemeinschaften in denen auch gefährdete Kleinfischarten geeignete Refugien finden, solange die Uferzonen eine gewisse strukturelle Komplexität aufweisen. Ein nachhaltiges Angelfischereimanagement von Baggerseen ist also durchaus mit Natur- und Artenschutzzielen vereinbar.

Eine Verlinkung zur englischsprachigen Studie finden Sie hier:

M. Emmrich, S. Schälicke, D. Hühn, C. Lewin & R. Arlinghaus 2014: No differences between littoral fish community structure of small natural and gravel pit lakes in the northern German lowlands. Limnologica 46: 84-93.

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0075951113001187

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Charakteristisches Ufer eines natürlichen Sees. Schilf, Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen bieten eine hohe Lebensraumkomplexität, in denen artenreiche Fischgemeinschaften existieren. (Foto: M. Emmrich LSFV)

In den häufig weniger komplexen Uferbereichen von Baggerseen kann das Einbringen von Totholz eine Möglichkeit sein, die Lebensraumvielfalt und damit auch die Artenvielfalt in einem Gewässer zu fördern. (Foto: M. Emmrich LSFV)