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20.03.2020

Angler besetzen mehr als 3 Millionen junge Aale

Seit Donnerstag 19.03. läuft der Besatz mit Glasaalen durch die Vereine des AVN in Niedersachsen. Hunderte von Anglern helfen jedes Jahr aufs neue im Ehrenamt bei dieser landesweit größten Natur- und Artenschutzmaßnahme. Mehr als 3 Millionen Jungaale, fast ausschließlich Glasaale, bringen sie in ihre Vereinsgewässer aus. Die Fische kommen aus Frankreich, von wo aus sie mit Transportern innerhalb eines Tages nach Niedersachsen gebracht werden. Eine weitere Stunde später schwimmen sie schon in ihren neuen Heimatgewässern.

Gerade der Besatz mit Glasaalen wird immer wieder auch von Anglern in Frage gestellt:
Da werden 300 Millionen Glasaale / Jahr nach Asien geschmuggelt für die Mast, ein Milliardengeschäft, und quasi "obendrauf" auf diesen mutmaßlichen "Verlust" für den natürlichen Aufstieg der Jungaale besetzen Angelvereine hierzulande weitere Millionen Glasaale.

Warum also Glasaale besetzen?
Europäischer Aal = Rote Liste 1 Art, vom Aussterben bedroht
Der Aal ist international stark gefährdet, in mehreren Unterarten. Mit der Verbaaung unserer Fließgewässer begann der massive Zusammenbruch seiner Bestände. Etwa 55.000 Querbauwerke - von kleinen Sohlabstürzen bis zu gigantischen Wasserkraftwerken - gibt es in Deutschland, gut 7.000 davon in Niedersachsen. Fast alle stellen unüberwindbare Hindernisse dar oder erschweren den Aufstieg - für etliche Fischarten, und nicht nur für die laichreifen Blankaale, sondern auch für aufsteigende Glasaale.

EU Aal-Managementpläne
Um dem entgegen zu wirken, schreibt die EU-Aalverordnung für diverse Flussgebietssysteme das Erreichen von Mindestzahlen für die Blankaalabwanderung vor. Solange der Rückbau von Kraftwerken illusorisch ist, bleibt nur der Besatz mit Jungfischen. Bereits 2009 waren 90% der bei Gorleben in der Elbe gefangenen Aale solche aus Besatzmaßnahmen.
Aktuellere Untersuchungen aus Brandenburg (Havel) und Schleswig-Holstein (Schlei) bestätigen diese hohen Zahlen. Ein Großteil der Aalfänge in unseren Flüssen geht auf Besatzmaßnahmen zurück.
Würde man den Besatz mit Jungaalen einstellen, stünden zwar mehr Glasaale für die natürliche Einwanderung in Binnengewässer zu Verfügung. Der Weg in deren Oberläufe ist aber faktisch fast überall vollkommen durch Querbauwerke verbaut.


Kurz- und mittelfristig unverzichtbar
Aalbesatz ist momentan für die Gewährleistung einer ausreichenden Blankaalabwanderung aus Binnengewässern, wie sie in der EU-Aalverordnung gefordert wird, das einzige Mittel der Wahl. Ohne Glasaalbesatz = keine Blankaalrekrutierung auf Hunderttausenden Kilometern Fließgewässer in Deutschland.

Zertifizierung von Fangbetrieben
Kritiker merken an, der Glasaalfang im Küstengebiet und der Transport zu den Besatzgewässern könne mit erheblichen Verlusten verbunden sein (in Abhängigkeit von der verwendeten Fangmethode und den Transportbedingungen). Noch 2007 wurden an einer Flussmündung in Frankreich 40 % Mortalität beim Glasaalfang ermittelt.
Nach Einführung von strengeren Kontrollen, verbesserter Fangtechnik und einem Zertifikat durch die Sustainable Eel Group, ist die Sterblichkeit bei Fang und Transport erheblich zurückgegangen.
Aktuell liegen die Verluste durch den Transport bei den Aallieferungen für die AVN-Vereine im Schnitt bei unter 2%.
 
Vielen Dank an alle Helfer für ihren ehrenamtlichen Einsatz für den Artenschutz!

Foto: © Florian Möllers

FMO 190330 011044