03.07.2020

Neue Schutzgebietsverordnung fordert massive Beschränkungen

Eine Neuauflage der Schutzgebietsverordnung von 2019 (1. Fassung) für das "NSG Leineaue zwischen Hannover und Ruthe" liegt jetzt vor. Der AVN hatte den damaligen Verordnungsentwurf fachlich an zahlreichen Stellen kritisiert.
Man stelle nur mal vor: In einer Verordnung für ein Schutzgebiet mit mehr als 300ha Wasserfläche, einem "prioritären Fließgewässer" und dem Vorkommen zahlreicher bedrohter gewässerlebender Arten wurden Fische und Neunaugen noch nicht einmal erwähnt!

Dank der fachlichen Kritik konnte der AVN einige Verbote und Beschränkungen verhindern:

  • Das temporäre Angelverbot an Leine und Innerste zwischen Koldingen und Wülfel und
  • das komplette! geplante Fischereiverbot am Wülfeler und Koldinger Teich.


ABER:
* Im gesamten NSG soll ein Nachtangelverbot gelten! Begründung: extrem dünn bis nahezu absurd.
* An der Leine zwischen Ruthe und Koldingen soll das Angeln für 10 MONATE!!! verboten werden (1.10. bis 31.07.).
* Angelverbot an der Alten Leine für 5 MONATE!!! (01.03. bis 31.07.)
* Angelverbot an 200ha Stillgewässern!!!
* Verbot des Anlegens von neuen Angelplätzen und Pfaden!!! und
* Komplettes Befahrungsverbot des Gebietes zu fischereilichen Zwecken (Hege, Monitoring, Fischbesatz)!!!

Hochinteressant:
Für die gleichen Beschränkungen wie im ersten Entwurf werden in der überarbeiteten Fassung plötzlich mitunter ganz andere Begründungen angeführt...

So "schützen" und "fördern" einige Naturschutzbehörden 2020 unsere (Vogel- und Amphibien)Artenvielfalt in Deutschland.

Wir werden eine weitere Stellungnahme verfassen, politisch aktiv werden und abhängig von den Reaktionen auf unsere Stellungnahme ggf. auch rechtliche Schritte einleiten.

Foto: © Matthias Emmrich

AVN ME 2020 05 07 20 36 09

29.06.2020

Höhere Fördersumme, bessere Kostenabdeckung

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasser, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die Richtlinien für seine Förderung von Kleinmaßnahmen geändert.
Ab sofort und in diesem Jahr noch bis zum 17. Juli!!! können Anträge auf Förderung von "Kleinen Vorhaben" (vorher: "Kleinmaßnahmen") im Gewässerschutz eingereicht werden.

Neu:
Die Höchstgrenze der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben wurde von bisher 15.000 EURO auf jetzt 100.000 EURO / Projekt angehoben.
Für den Antragszeitraum bis 17.07. stehen insgesamt 750.000 EURO zur Verfügung.

Ausgaben für Material sind bis zu 100% zuschusssfähig, sonstige bis 90% (Eigenanteil - nicht zuwendungsfähig! - mind. 10%).

Förderfähig "sind "kleine Vorhaben", die eigenständig und in sich abgeschlossen sind, sowie die Zielerreichung der EG-WRRL unter lokalen bzw. regionalen Gesichtspunkten unterstützen.

Weitere Infos finden Sie auf der website des NLWKN.

Im September soll es laut Pressemitteilung einen weiteren Aufruf zu Förderungen geben, dann aus dem ELER-Programm des Landes.
Wir werden dann darüber berichten.

Falls Sie nicht sicher sind, ob Ihre Projekte förderfähig sind oder Hilfestellung brauchen beim Ausfüllen des Förderantrages oder der späteren Abwicklung, zögern Sie bitte nicht, uns anzurufen - wir unterstützen gerne!

Foto: © Florian Möllers (NLWKN-Kleinmaßnahme am Leckermühlbach im Landkreis Osnabrück)

FMO 180414 180644



24.06.2020

Studie liefert Meilenstein zur Fischverbreitung

Lange Zeit wurde vermutet - und eifrig weitererzählt - dass Fische wohl mit Hilfe von Wasservögeln neue Gewässer besiedeln.
Das Gerücht: Laich von Fischen oder gar Fischlarven würden im Gefieder und an den Beinen oder Schnäbeln von Wasservögeln haften und so über weite Strecken transportiert werden können - auch an neue Gewässer. Denn wie sollte es sonst möglich sein, dass Fische ohne jede Besatzaktivität selbst isolierte Wasserkörper erreichen und dort Populationen ausbilden können?
Beweise für diese These: nicht vorhanden.

In der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences, kurz: PNAS, einem der renommiertesten Fachjournale weltweit, legen ungarische Wissenschaftler Ergebnisse vor, nach denen Fischeier den Verdauungstrakt von Enten lebend passieren können.

Die Experimente wurden mit Stockenten als "Transportern" und Eiern von Karpfen und Giebeln durchgeführt.
Tatsächlich überlebten 0,2% der Eier den Verdauungsvorgang, so dass Jungfische aus ihnen schlüpfen konnten.
Klingt nach wenig? Angesichts der schieren Menge von Eiern vieler Fischarten und der großen Menge an Wasservögeln und ihren Bewegungen zwischen Gewässern aber ein nicht zu unterschätzender Anteil.

Die Studie liefert den ersten uns bekannten Beweis für die Neubesiedlung von Gewässern durch Fische mit Hilfe von Wasservögeln als Vektoren.

Hier geht's zur Veröffentlichung in den PNAS (auf englisch).

Foto: © Florian Möllers

FMO VÖG 01200