30.03.2019

LK Nienburg fordert Angelverbote an > 20 Gewässern

Mit dem Entwurf des neuen Landschaftsrahmenplans (LRP) hat der Landkreis Nienburg nun auf mehreren Hundert Seiten ein Fachgutachten vorgelegt, das gespickt ist mit unglaublich diffamierenden Ansichten über Angler und einer Angelverbotsliste, die landesweit ihres Gleichen sucht.

So soll an der gesamten Weser im Landkreis das Angeln grundsätzlich nicht mehr zulässig sein. Außerhalb von Schutzgebieten werde das Angeln nur auf Grundlage von Einzelfallentscheidungen „denkbar“ sein.
Auch für über etwa 20 andere Gewässer, darunter

  • der Wiedesee
  • die Alte Weser bei Gandesbergen
  • die Weserschleife bei Rohrsen
  • der Düsterer See
  • Haakenwerder
  • der Wellier Kolk
  • und die Liebenauer Aue

wird Angeln als signifikante „Beeinträchtigung / Gefährdung“ für den Naturschutz eingestuft und eine Ausweisung als Schutzgebiet gefordert.

In der Summe sind dies rund 70 ha Standgewässerwässerfläche und dutzende Kilometer Fließgewässerstrecke, in denen das Angeln nach den Forderungen des Landkreises zukünftig massiv eingeschränkt oder verboten wäre.

Tatsächliche Beeinträchtigungen der Gewässerökologie, die durch die Wasserkraftanlagen in Drakensburg und Landesbergen entstehen und die zur Schädigung von Wanderfischpopulationen führen, werden im Gutachten mit keiner Silbe erwähnt.

Der AVN hat zu dieser „Expertise“ eine deutliche Stellungnahme abgegeben (hier zum download, PDF).

Man darf gespannt sein, ob wir Gelegenheit bekommen, unsere Anliegen den Entscheidungsträgern auch persönlich vorzutragen - und darauf, was danach passiert.

FMO AngelnNienburg

Foto: Florian Möllers



20.03.2019

Internationales Team für stärkere Berücksichtigung der Angler

Robert Arlinghaus (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, IGB) und weitere Forscher aus Spanien, Kanada, den USA und Deutschland halten es für unabdingbar, Angler beim Fischereimanagement und der Gewässerschutzpolitik viel stärker zu berücksichtigen.

Ihre Überlegungen für eine Reform des Fischereimanagements und der Gewässerpolitik wurde jetzt in den "Proceedings of the National Academy of Scienes of the United States", kurz PNAS, publiziert; neben nature und Science eines der Top3 Magazine für wissenschaftliche Publikationen weltweit.

Der Schwerpunkt bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für den Fischfang lag bislang auf den Ansprüchen / Forderungen der Berufsfischerei oder des Naturschutzes. Weltweit gibt es aber fünfmal mehr Angler als Erwerbsfischer. Ebenso ist die Zahl der Arbeitsplätze, die unmittelbar oder indirekt von der Freizeitfischerei abhängen um ein Vielfaches höher. In Deutschland sind es gut 52.000 Arbeitsplätze. Gleichwohl liegt der Anteil der entnommenen Fische durch Angler bei etwa nur einem Achtel der Quote der Berufsfischerei. Außerdem wachse die Bedeutung der Freizeitfischerei auch in den küstennahen Gewässern ständig, so die Forscher in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung.

Dass die einseitige Berücksichtigung der Interessen der kommerziellen Fischerei und/oder des Naturschutzes zu Problemen führen kann, zeigen aktuelle Beispiele aus der Ostsee (Dorsch) und für den Red Snapper aus dem Golf von Mexico.

„Selbst Länder mit einer starken Administration scheitern daran, die Angelfischerei effektiv in das Fischerei- und Naturschutzmanagementsystem zu integrieren. Wir sind überzeugt, dass Gewässerbewirtschaftungs- und Schutzmaßnahmen effektiver wären, wenn die Interessen der Angler gleichrangig zu denen der Berufsfischer und des Naturschutzes berücksichtigt würden“, erläutert der Hauptautor der Studie, Robert Arlinghaus, seine Erwartungen an einen Reformprozess.

Ein 5-Punkte-Plan soll die Freizeitfischerei jetzt ins Boot holen.
1. Angelfischereiliche Ziele explizit in die Gewässerbewirtschaftung integrieren
2. Anglerorganisationen bilden und in die Bewirtschaftung einbinden
3. Variable Bewirtschaftungsansätze zulassen und lokal umsetzen
4. Die richtigen Instrumente einsetzen
5. Monitoring verbessern

Die Pressemitteilung des IGB finden Sie hier (PDF).

Den Artikel (auf englisch) können Sie hier herunterladen (PDF).

Nebenbei bemerkt:
AVN-Biologe Thomas Klefoth war Teil des hochkarätigen Autorenteams.

FMO 181006 075524 2

Foto: Florian Möllers / AVN

13.03.2019

AVN fordert klares Bekenntnis der Landesregierung zum Gewässerschutz

375.386 Menschen fordern starkes EU-Recht für sauberes Wasser

Aus der gemeinsamen Pressemitteilung:
"In einem Bündnis haben zahlreiche europäische Umwelt- und Naturschutzverbände in den letzten Monaten für eine breite Beteiligung an einer öffentlichen EU-Konsultation zur Bewertung des geltenden EU-Wasserrechts geworben. Gemeinsam kommentieren die Umwelt- und Naturschutzorganisationen Anglerverband Niedersachen (AVN), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Anglerverband, Deutsche Umwelthilfe (DUH), Euronatur, Forum Umwelt und Entwicklung (FUE), Grüne Liga, Landesbund für Vogelschutz (LBV), Naturschutzbund Deutschland (NABU), NaturFreunde Deutschlands, Verband Deutscher Sporttaucher (VDST), WWF und ihr Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) das Ende und Ergebnis der Befragung:

Der Schutz unseres Wassers braucht starke EU-Vorgaben: Mit dieser Botschaft haben sich in den letzten Wochen 375.386 Bürgerinnen und Bürger EU-weit an die Europäische Kommission gewandt und den Erhalt der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der dort festgeschriebenen Ziele gefordert. Damit ist die Konsultation eine der erfolgreichsten Bürgerbeteiligungen in der Geschichte der Europäischen Union."

Hier die Pressemitteilung in voller Länge.
Hier die EU-Pressemitteilung von "Living Rivers Network".


Hintergrund:
Nur 8,2% der Gewässer in Deutschland sind in einem guten ökologischen Zustand (EU gesamt: 40%).
Seit Unterzeichnung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Jahr 2000 hat auch Niedersachsen es versäumt, die nötigen Mittel für die Umsetzung der WRRL bereitzustellen und die Bedingungen der WRRL konsequent in der Praxis umzusetzen.
Jetzt soll dieses letzte, wirksame Instrument für den Schutz unserer Fließgewässer möglicherweise auf EU-Ebene abgeschwächt werden. Unter Führung des WWF hatten sich deshalb mehrere Naturschutzverbände zusammengeschlossen und im Rahmen einer öffentlichen Konsultation für den Erhalt der WRRL geworben.

Hintergrundinformation: Voraussichtlich im Herbst 2019 wird die EU-Kommission eine Auswertung der Konsultation vorlegen. Eine Entscheidung über die Zukunft der Gesetzgebung wird im ersten Halbjahr 2020 erwartet. Die Umweltverbände werden den Prozess weiterhin eng begleiten, damit die visionären Rechtsvorschriften erhalten, von der EU-Kommission durchgesetzt und den Mitgliedstaaten vollständig umgesetzt werden.

AVN zur Situation in Niedersachsen
"Mit Lippenbekenntnissen seitens der Landesregierung kommen wir nicht weiter. Jetzt muss Geld in die Hand genommen werden, Jetzt müssen nachhaltige Entscheidungen her, die das Bekenntnis der Politik für den Schutz der Lebensgemeinschaften in unseren Fließgewässern endlich sichtbar machen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das die uns nachfolgenden Generationen teuer zu stehen kommen", so Werner Klasing, Präsident des AVN.

Der AVN-Naturschutzexperte Ralf Gerken ergänzt: "Ein massives Problem für den Schutz bedrohter Fischarten in Niedersachsen ist nach wie vor die fehlende Durchgängigkeit. Mehr als 4.000 Querverbauungen behindern die überlebensnotwenige Wanderung vieler Wasserorganismen, nicht nur von Fischen und Neunaugen. Hier brauchen wir dringend den klaren politischen Willen und die nötigen finanziellen Mittel, um unsere Fließgewässer endlich durchgängig zu machen."  So müssten insbesondere auch Betreiber von (Klein)Wasserkraftanlagen (WKA) mit sofortiger Wirkung in die Pflicht genommen und ein von Fachleuten durchgeführtes Monitoring an vorhandenen Fischwanderhilfen eingerichtet werden. "Bestehende Wasserkraftanlagen müssen zwingend mit Wanderhilfen nachgerüstet werden, die nicht nur auf dem neuesten Stand der Technik sind, sondern den Fischauf- und abstieg nachweislich ermöglichen. Nicht nur kleine WKA müssen dringend landesweit auf den Prüfstand, was ihre Durchgängigkeit und das zugehörige Monitoring angeht, auch die ganz großen Anlagen wie etwa an der Weser in Bremen Hemelingen. Dort wird die Wanderung flussab wie flussauf massiv beeinträchtigt", erläutert der Fließgewässer-Fachmann beim AVN.


2019 03 13 EU Konsultation Ende

Foto: © R. Gerken